Wir verstehen nur,
was wir gespielt, getanzt und gesungen haben.

Hiob im Kreuzfeuer der Religionen – ein Kirchenspiel in Dübendorf. Aufführungen im November 2014



«Wir verstehen nur, was wir gespielt, getanzt und gesungen haben.» Einmal mehr wurde dieser Satz und sein Inhalt deutlich. Die Kirchgemeinde Dübendorf hatte sich aufgemacht, ein Biblisches Spiel, ein Kirchenspiel eben, mit Leuten aus der Gemeinde auf die Bühne zu bringen.
Pfarrer Herbert Pachmann fragte dafür Simon Jenny, Musiker, Pfarrer und Theatercoach an, der schon ein Dutzend dieser Narrativen Exegesen von Walter Hollenweger mit Erfolg zu den Leuten und auf die Bühne gebracht hat. Mit nachhaltigem Erfolg.

Der Chor vor Ort, der Jubilate Chor, konnte dafür gewonnen werden, DarstellerInnen aus der Gemeinde und Tänzerinnen aus dem Ort und der Region. Mit Sarah Keusch war eine tolle Choreografin gefunden worden. Mit grossem Einfühlungsvermögen für das Stück, die Situation und die Themen brachte sie eindrückliche Tanzbilder und junge Menschen in das Projekt ein. Unvergesslich der Tanz zu Hiobs Aufschrei: «Gott hat mich mit seinem Netz gefangen, seht, ich schreie Gewalt!»
Anita Haapamäki, die Leiterin des Chors, suchte und fand passende und starke Chorstücke für einzelne Szenen, so von Schütz «Ich weiss, dass mein Erlöser lebt» oder ein «De profundis» von Gluck. Sie zog auch die Zuschauenden mit ein, die verschiedene Lieder mitsangen. Ein grosser Moment war es, als der Chor das Halleluja aus dem Messias von Händel sang und dazu – nach all den Hiobsgeschichten, den Leidensmomenten – die strahlende Auflösung der Geschichte stattfand.

Die Chorsingenden waren nach anfänglichem Zögern mit Begeisterung dabei und erfuhren, dass Musikstücke, im Ganzen einer Geschichte gesungen, noch einmal tiefer und stärker wirkten. Einzelne lasen auf die Aufführungen hin das Buch Hiob in der Bibel nach. Und stellten «mit Erstaunen» fest, dass die Texte des Theaters wirklich so in der Bibel stehen.
Die Darsteller wuchsen in ihre Rolle hinein und verstehen ein Stück Bibel nun eben von innen her. Ein Theologisches Theater ist auch immer Erwachsenenbildung, ein dialogisches Lernen, eine Aneignung von Inhalten durch Spielen, durch das Medium des Tanzes, durch Musik und zum Schluss dann im gemeinsamen Erleben mit allen und dem Publikum.



Einer der Musiker, der im Netzbild eine unglaublich starke Improvisation und Begleitung der Tanzgruppe hingelegt hatte, kam vor der letzten Aufführung zum Regisseur, zu mir, und sagte mir: Nun habe ich verstanden, was das Stück sagen will. Und legte seine Interpretation des Stücks vor. Er hatte sich hineinnehmen, hatte sich vom Stück ansprechen lassen und verstanden. Walter Hollenweger würde gesagt haben: «Genau darum geht es.»
Der Satan, der Unterstabssekretär Gottes (die genaue Übersetzung von satanas), lässt Hollenweger zum Schluss sagen: «Warum Gott sich auf die Wette mit mir eingelassen hat, warum er mir Zutritt zu seinem Thron gab, das wissen nicht einmal die Cherubim und Seraphim. Ich weiss es eigentlich auch nicht. Man muss wissen, was man nicht wissen kann.»
Dem Nichtwissen des Satans steht das Verstehen des Musikers gegenüber.

Eine gute Kirchgemeindearbeit hat viele befruchtet und war Verkündigung der starken Art. Hervorragend organisiert und geleitet durch den Ortspfarrer.
Einige sagten: «Das müsste man alle zwei Jahre machen …

Fotos anschauen




zu den Veranstaltungen